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Die kleine
Schildkröte Tilda
O Die blaue
Glasscherbe
O Der
Zauberbaum
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Die
Blumenwiese
O Die
Sonnenblume
O Das
Gewitter
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  O Das
Kartoffelfeuer
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Die kleine Schildkröte Tilda!
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Es war ein ganz besonderer Tag für die kleine Schildkröte.
Sie wohnte in einer kleinen Stadt am Fluss. Hier lebte sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern Gertraude und Tina. Gertraude war eine große Schildkröte und sehr stark. Tina war klein doch ihr Panzer war schwer. Tilda war dünn und ihr Panzer sah so zart aus, als ob er bei der kleinsten Belastung brechen könnte.
Es waren drei muntere Schildkrötenkinder.
In der vergangenen Nacht hatte Tilda nicht gut geschlafen. Sie war sehr aufgeregt und hatte starkes Herzklopfen als sie aufwachte. Es muss wohl ein sehr unruhiger Schlaf gewesen sein.
Gertraude und Tina, die mit ihr in einem Raum schliefen, mussten sich rütteln und schütteln, damit die ganzen Holzspäne von ihren Panzern flogen. Denn ihr Schlafraum war mit schönem weißen Sand und Holzspänen ausgelegt. Tilda die kleine Schildkröte hatte in ihrem unruhigen Schlaf mit den dünnen aber starken Pfoten die Holzspäne so sehr in die Luft gestrampelt, dass sie durch den ganzen Raum geflogen waren. Die Schwestern konnten es erst gar nicht glauben, dass Tilda diese Unordnung gemacht hatte, weil sie doch sonst so ruhig war. Gertraude beruhigte Tilda, als sie sah, wie aufgeregt ihre Schwester war. Auch sonst passte Gertaude sehr gut auf Tina und Tilda auf.
Sie war die Stärkere, man konnte sich auf sie verlassen, wenn von irgendwo Gefahr drohte. Sie konnte sich gut wehren. Wild und böse wurde sie, wenn die Schwestern Hilfe brauchten.
Heute musste Gertraude sich ganz schön anstrengen bis Tilda sich beruhigt hatte. Sie redete mit ihr und streichelte zärtlich über ihren Kopf. Viel Zeit brauchten sie, bis der Schlafraum wieder einigermaßen in Ordnung war. Dann hörte sie auch schon die Mutter rufen: „Kinder aufstehen. Ihr wisst ja, heute ist ein besonderer Tag. Es wird nicht gebummelt.“
Die Mutter hatte schon Frühstück gemacht, schöner frischer Salat und viel frisches Wasser.
Die Schildkrötenmutter hatte sich heute besonders schön gemacht. Eine rotweiße Dahlienblüte hatte sie sich zwischen Kopf und Panzer gesteckt. Wunderschön sah sie aus. In ihrem kleinen Garten wo immer einige Blumen blühten, hatte sie die Blume gepflückt.
Als die drei Schildkrötenkinder gefrühstückt hatten, wurden sie auch noch etwas heraus geputzt. Jede bekam eine bunte Schleife um den Hals gebunden. Fein und lustig sahen sie aus. Die Mutter hatte immer gute Ideen. Sie sammelte alles, was sie auf ihren Spaziergängen fand. Schleifen oder Fäden, Kordeln schönes buntes Papier oder auch schöne Blätter.
Wenn sie dann etwas brauchte, machte sie daraus die schönsten Sachen. Die kleinen Schildkröten fühlten sich wohl und waren zufrieden. Bei Gertraude dauerte es nicht lange, bis die Schleife bei ihr wieder neu gebunden werden mußte. Denn jetzt war es Gertraude die unruhig hin und her zappelte. Bis sie gemeinsam nach draußen gingen, mußte die Schleife bei Gertraude zum dritten mal neu gebunden werden.
Vor dem Haus warteten schon einige Schildkröten aus der Nachbarschaft. Karl, eine Ältere und sehr musikalische Schildkröte wartete auch schon vor dem Haus. Er machte auf breiten Gräsern wunderschöne Musik. Die Gräser legte er flach an seinen Mund und blies seine Atemluft fest auf die Grasfläche. Darauf entstanden dann wunderschöne zarte Töne. Auch heute spielte er ein schönes Lied. Es war das Lied von der Nachtigall. Sie sang das erste Lied, das hinauf bis zu den Sternen drang.
Alle Schildkröten, die draußen warteten, stimmten ein in das schöne Lied der Nachtigall. Gemeinsam zogen sie hinaus durch Wiesen und Felder zum Fluss, wo Tildas Vater nach langer Zeit ankommen sollte. Die Schildkrötenkinder hatten ihren Vater noch nie gesehen. Sie waren sehr aufgeregt und so neugierig.
Tildas Vater war in eine andere Kolonie gezogen, um anderen Schildkröten zu helfen. Dort war eine schwarzbraune Mistkäferplage ausgebrochen. Diese Plage war schwer zu bekämpfen. Die schwarzbraunen Mistkäfer hatten sich unter die Panzer der Schildkröten eingenistet. Dadurch sind viele Schildkröten krank geworden oder sogar gestorben.
Es war eine sehr schlimme Plage.
Die Starken und Gesunden haben sich auf ihre Panzer gerollt und so die schwarzbraunen Mistkäfer zerquetscht. Wenn sie auf dem Panzer liegen, kann es für sie gefährlich werden, deshalb mussten sie dafür sorgen, ganz schnell wieder auf die Pfoten zu kommen.
Aber dazu wurde sehr viel Kraft gebraucht.
Nach einer langen und harten Zeit haben sie es dann geschafft die schwarzbraune Mistkäferplage zu besiegen. Von überall her waren Schildkröten gekommen, um zu helfen. Diese traurige Zeit sollte jetzt vorbei sein. Eine fröhliche Gesellschaft war es, die nun da unten am Fluß wartete. Auf einmal wurde es unruhig. Im Wasser hatten sie eine Schildkröte entdeckt. Karl die musikalische Schildkröte spielte immer wieder das Lied der Nachtigall, was hinauf bis zu den Sternen drang und alle anderen Schildkröten summten mit. Aufgeregt liefen alle hin und her, als eine große Schildkröte ans Ufer schwamm.
Es war Tildas Vater !
Müde sah er aus, doch es ging ihm gut, denn auch er freute sich, seine Familie gesund und fröhlich nach so langer Zeit wieder zu sehen. Von allen wurde er herzlich begrüßt. Die Schildkrötenmutter gab ihm einen zärtlichen Stubser auf die Nase.
Tina, Gertraude und Tilda sahen sich alles etwas aus der Ferne an Gertraudes Schleife war schon wieder verrutscht. Ganz stumm und sehr genau beobachteten sie diese fremde Schildkröte. Als die Begrüßung von allen Seiten vorbei war, bemerkte der Schildkrötenvater seine Kinder. Er kroch ganz schnell auf sie zu und alle drei durften gleichzeitig auf seinen Panzer klettern. Die ganze Scheu war mit einem mal verschwunden. Mit viel Freude und dem schönen Lied der Nachtigall, kroch die ganze Gesellschaft singend nach Hause.

© Mathilde Kilian 1995
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